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Neue Keramik - die aktuelle Ausgabe 2/10

DIE NEWS

INTERVIEW
 Hwa Yoon Lee

PORTRAITS   
 Regina Heinz
 Bernadette Baumgartner
 Hans Kuretzky
 Marko Fields
 Karel Plemenita?
 Heidi Preuss Grew
 Ram Kumar Manna

PÄDAGOGIK / FORUM
 Erdkugel in Dippehausen / Thomas Benirschke
 Die Evolution der Kultur und der Keramik / G.Weiß
 Halbe - Halbe / ICCA - Wien / Österreich

AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN

 Fenomen Gemer 09 - Symposium
 Intern. Symposium für Aufglasurmalerei - Eskisehir
 "SOFA" - Chicago
 Meissen im MAK - Köln 
 "Festi-bol" - St. Jean de Fos 
 "33 Öfen im Palast" - bei Bukarest
 "Dem Nichts eine Hülle" - Staufen
 Yufuku Gallery in Deutschland - Tokio / Heidelberg

TERMINE
 Ausstellungskalender
 Feuertaufe für "Anna Eins"

WISSEN & KÖNNEN
Frostwiderstandsfähigkeit / Jeff Zadek

KURSE / SEMINARE / MÄRKTE

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VORSCHAU / IMPRESSUM



Hwa Yoon Lee

Hwa Yoon Lee

Eine koreanische Keramikerin in Deutschland - Ein Gespräch
Die koreanische Keramikerin Hwa Yoon Lee lebt seit einigen Jahren in Höhr-Grenzhausen, wo sie am Institut für Künstlerische Keramik und Glas ? IKKG ? der Fachhochschule Koblenz bei Prof. Jochen Brandt studiert. Jetzt hat sie bei deutschen Wettbewerben Erfolge gehabt, die ihr bei ihrem Neustart in Süd-Korea sehr viel nützen werden. Antje Soléau sprach mit ihr über ihre Erfahrungen und Wünsche.

 

Regina Heinz

Regina Heinz

(Bonnie Kemske)
Von horizontal zu vertikal, von keramischen Objekten auf einem Podest zu integrierten Architekturkonzepten: Regina Heinz` neue Wandarbeiten verbinden die Qualitäten von Keramik und Architektur, verweisen auf die Geschichte der Fliese und fordern diese geradezu heraus.
Heinz ist bekannt für ihre liegenden Kissenformen, wie Shore (2003) und ihre früheren vertikalen Formen wie Dreamimage (1998). Shore verweist auf die Geographie ihres Heimatlandes Österreich, genauer auf die Gegend um den Attersee und die ihn umgebenden Berge, wo sie den größten Teil ihrer Jugend verbrachte. In dieser Arbeit finden wir eine Hommage an die Bewegtheit und die wechselnden Farben des tiefen Wassers des Sees sowie eine klare Imagination der Topographie der Alpen. Dabei überträgt sie ihre Liebe zu den Bergen und den Seen nicht direkt in Ton, sondern sie schafft eine Palette von Landschaftsbildern und damit eine Ästhetik, in der sie eine Verbindung herstellt zwischen der Harmonie der Formen, den Volumina, den Linien und Farben, dem Ineinandergreifen von Unstrukturiertem und geometrischer Präzision und der sanften und intimen Welligkeit, die dem Ganzen den Charakter des Monumentalen gibt.

Bernadette Baumgartner

Bernadette Baumgartner

(Gabi Bucher)
Betritt man Bernadette Baumgartners Töpferei, ist da dieses Licht, diese Leichtigkeit. Der Blick geht durch den Raum auf den gegenüberliegenden Innenhof zu den Pflanzen, dem Kiesplatz, der kleinen Sitzecke. Ein Gefühl von Ruhe und Harmonie kommt auf. Wird dann die Aufmerksamkeit auf die ausgestellten Keramikobjekte gerichtet, bleibt dieses Gefühl bestehen. Wie magisch hingezogen geht man auf diese zu, will sie berühren, sie in den Händen spüren. Ihre Leichtigkeit überrascht immer wieder. Die samtene Oberfläche, Farbe, Körper und Textur eine exquisite Symbiose. Kühles Lichtblau, tänzerisch leichtes Gelb, anschmiegsam wärmendes Rot, hingehaucht auf die Form, matt glänzend, wunderbar seidig. Verschmolzen damit, eingeritzt, eingebrannt Gedanken, Worte. Dekoration einerseits, aber viel mehr Ausdruck von Bernadette Baumgartners Suche nach Klarheit, Wahrheit, Wirklichkeit. Fliessend ergiesst sich Wort an Wort über die Oberfläche, umklammert Schalen, füllt Quadrate, verflüchtigt sich über das Objekt hinaus und gibt dem Betrachter die Möglichkeit, den Ausgang, den weiteren Weg selber zu finden.

Hans Kuretzky

Hans Kuretzky

Heizen heute:  Rohstoffverknappung, CO2?Problematik, Erderwärmung, hohe Preise, Abhängigkeit von wenigen Energieversorgern, Konvektionswärme, Staubemmission ? viele Unsicherheiten und Vertrauensverlust prägen unsere Zeit. Das Heizen mit Holz in einem Grundofen gilt als CO2-neutral und staubfrei. Das Brennmaterial kommt vom nahen Wald über den Forstwirt. Die Gestaltung der Heizung ist zudem noch frei und persönlich.
Als wir 50 Kachelöfen gebaut hatten, haben wir alle Ofenbesitzer zum Pflanzen einer Allee eingeladen. Jeder konnte seinen eigenen Baum pflanzen, nach dem Motto: Wer mit Holz heizt, sollte auch mal einen Baum pflanzen. 2001 entstand eine 800 Meter lange Allee mit Laub- und Obstgehölzen; die Bäume haben sich prächtig entwickelt, die Pflaumen, Kirschen und Äpfel schmecken prima.
Es hat schon Ende des 18. Jh. durchaus eine zunehmende Holznot gegeben, die nur durch die Steinkohleförderung aufgefangen werden konnte. Eine große Rolle spielte damals das starke Bevölkerungswachstum, das auch der Grund für die großen Auswanderungszahlen war.

Marko Fields

Marko Fields

(Keith J. Williams)
Eine Unterhaltung mit Marko Fields kann wie das Spielen an einem Flipperautomaten sein. Immer versehen mit einem Schuss Humor ist die interessante und oft amüssante Konversation ein schneller Austausch von etwas schrägen, neben-einander ablaufenden Sequenzen. Eine genaue Betrachtung des Ordnungsprinzips solcher Unterhaltungen erklärt viel über seinen aufgeweckten Intellekt, der plötzlich eine Seitenrichtung einschlagen, aber dabei immer sehr gerade verlaufen kann.
 Seine Entwicklung hilft ihm, sinnbildlich gesehen, vor dem Überlaufen des Glases mit dem Einschenken aufzuhören, es bleibt aber immer das Bedürfnis, noch etwas hinzuzufügen. Diese Fähigkeit, ungezwungen von einer Idee zur nächsten zu springen und diese dann nur tangential berührend zur ersten zurück zu kehren, zeigt sich deutlich, wenn man sich auf eine Entdeckungsreise in die Welt seiner Werke begibt.
Markos Arbeiten sind sich auf eine routinierte Weise ähnlich. Man ist sofort von der Virtuosität und Perfektion der techni-schen Realisation überwältigt. Mancher ist davon begeistert und damit schon zufrieden, andere freuen sich eher über die reiche Inkonografie, die sich aus verschiedenen kulturellen Strömungen bedient, zeitgenössische politische Themen aufgreift, urzeitliche Symbolik und klassische Mythologie verarbeitet oder etwa psychologische Themen Carl Jungs als Hintergrund haben kann. Oftmals alles in ironischer Weise in einer Arbeit gemischt.

Karel Plemenita

Karel Plemenita

Eine Linie erwacht zum Leben in einer Zeichnung, in einer Farbe, in einem Bild, im Volumen eines Materials. Auf der Suche nach einer Aussage, einem Sinn in der Kunst, bin ich auf das Ur-Material Ton gestoßen. Ein Material, mit dem Kinder schon seit zahllosen Generationen spielen und woraus das historische Griechenland Gefäße und Schalen für besondere Anlässe machte. Ton ist auch ein Material, das Schutz, Sicherheit und Wärme vor der harten Natur gibt und schmiegsam wie eine liebevolle Person ist. Er erlaubt uns, alles mit ihm zu machen - man kann ihn pressen,  drücken, verdrehen, bemalen - zeigt aber seine wahre Natur erst nach dem Brand. Dann ist seine Wesenhaftigkeit zu erkennen. Er beschenkt uns mit einem Lächeln, wenn wir ihn mit Liebe bis zu dem Punkt gebracht haben, an dem er seine versteckte Schönheit offenbart. Dies ist dann der Preis für das unsterbliche Bemühen des jahrelangen Enthüllens unseres und seines Charakters. 

Heidi Preuss

Heidi Preuss

(Martina Thies)
Das Zentrum für Keramik in Berlin, das sich als Künstlerresidenz für internationale Keramikkünstler immer mehr etabliert, lud mich zur Vernissage der amerikanischen Künstlerin Heidi Preuss Grew in die ans Künstlerhaus angeschlossene Galerie in Berlin-Pankow ein. Die beiden Keramiker Kaja Witt und Thomas Hirschler, die Initiatoren des internationalen Künstlerhauses nach amerikanischem Vorbild, hatten die 37-jährige Professorin  Heidi Preuss Grew im Jahr 2000 an der Willamette University in Salem, Oregon bei ihrem USA-Lehraufenthalt kennengelernt. Nun, mehrere Jahre später war es für die Künstlerin endlich soweit, ihrem Wunsch nach einer zweimonatigen Residenz im Zentrum für Keramik in Berlin nach zu kommen.
Da mir ihre keramischen Arbeiten  unbekannt waren, nahm ich während der Vernissage an dem Diavortrag teil. Dies ermöglichte es mir, einen ersten persönlichen Eindruck zu bekommen, sowohl von der Künstlerin und ihrer natürlichen, sympathischen  Art zu erzählen, als auch von den zahlreichen Geschichten zu den Porzellanfiguren, die humorvolle und überspitzte Porträtstudien sind. Der Vortrag war in Deutsch gehalten, was einmal von ihrem Germanistik- und dem einjährigen Kunstgeschichtsstudium 1994 in Marburg herrührt und ihrer Affinität zur deutschen Sprache durch die Mutter, die aus Schwäbisch Hall stammt. Die deutschen "Endlosworte" und Wortspiele amüsieren sie, so dass sie als Titel, wie z.B. "Schabernack", in ihren Charakteren wieder auftauchen. Im späteren Gespräch mit ihr wurde immer klarer, wie sehr die deutschen Traditionen sie beim Aufwachsen in Illinois (mittlerer Westen der USA) geprägt haben, ohne dass sie sich dessen, vor ihrem Deutschlandaufenthalt, so bewusst gewesen ist.

Ram Kumar Manna

Ram Kumar Manna

(Madhulika Ghosh)
Ausgehend von der geschichtlichen und bis heute ungebrochenen Tradition in der Herstellung von Terracotten, kann man wenig Zweifel über die Wichtigkeit und Allgegenwärtigkeit von Ton im indischen Alltag hegen. Indien hat die ungeheuere Zahl von mehr als einer Million Töpfer, die auf gleiche  Art und Weise und kaum unterscheidbar die gleichen Themen aus der Mythologie, versehen mit den entsprechenden Dekoren, bearbeiten, die sie von ihren Vorgängern, zumeist ihren Vätern, übernommen haben. Der Name der Kaste, zu der sie gehören, ist Kumbhar und sie glauben daran, dass sie die direkten Nachfahren des Kunsthandwerkers sind, der von Gott Prajapati, dem Gott der Kreativität, geschaffen wurde. Diese Kastenzugehörigkeit bestimmt viele Aspekte ihres alltäglichen Lebens, einschließlich der Vererbung ihres Berufes innerhalb der Familie. Sie sind Meister ihres Gewerbes, sowohl Frauen wie Männer, für die ihre Arbeit mit Ton nicht nur eine berufliche Tätigkeit ist, sondern die Herstellung ihrer Plastiken die Aufnahme einer Beziehung zu dem Göttlichen, eine Form des Gottesdienstes und eine Form des Seins ist.