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Neue Keramik - Aktuelle Ausgabe

DIE NEWS

PORTRAITS
Rainer Kurka - Deutschland
Ani Kasten  - USA
Norma Grinberg - Brasilien
Simone Krug - Deutschland
Finn Dam Rasmussen - Dänemark
Petra Weifenbach - Deutschland
David Wright - Großbritannien
Anne Fløche - Dänemark

FORUM / PÄDAGOGIK 
Die weite Wunderwelt der Kunst    Gustav Weiß Kunstbetrachtung
Firing Up – Birgit Brühl / Bergen / Norwegen Pädagogik


AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN
Macsabal - Woodfire Festival - Peking China
Fundacja UNIKAT - Jelenia Gora Polen
SALON - Heute internationale Keramik - Gießen Deutschland
Alison Britton im V&A - London Großbritannien
20. International Ceramics Symposium - Zlakusa Serbien
Leuchtenburg -  Seitenroda Deutschland

KÜNSTLER-JOURNAL
Eva Hild / Shigekazu Nagae - Shao Ting-Ju  Schweden / Japan

WISSEN & KÖNNEN
Tineke van Gils

TERMINE / Ausstellungen / Galerien / Museen
Ausstellungskalender

WERKSTATTGESPRÄCHE
André von Martens - Evelyne Schoenmann  Interview / Technik

KURSE / SEMINARE / MÄRKTE

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Rainer Kurka

Monika Gass im Gespräch mit  Rainer Kurka

Herr Kurka, in der Ausstellung im Keramikmuseum Westerwald, KERAMIK EUROPAS, sind mir Ihre herausragenden Arbeiten zum ersten Mal aufgefallen. Durch den Ankauf beider Werke für das Hetjensmuseum Düsseldorf haben Sie jetzt gleich zwei Museen für sich gewonnen... Kennen Sie diese Begeisterung für Ihre Arbeiten?
Ich glaube, viele Menschen sind überrascht von der Lebendigkeit der Terracotta-Figuren, sie haben das Gefühl einer Person gegenüber zu stehen. Manche sagen mir auch, dass sie so etwas noch nicht gesehen haben.

Was bewirkt das in Ihnen als "Macher" - wie empfinden Sie diesen Zuspruch?
Ich freue mich, wenn meine Arbeiten die Menschen bewegen, wenn eine Art intimer Dialog zwischen Betrachter und Figur stattfindet. Das ist ja keine Selbstverständlichkeit, denn meine Arbeiten entstehen aufgrund von ganz persönlichen Entscheidungen und jeder Mensch empfindet anders. Ich bin auch oft erstaunt, auf wie verschiedene Weisen meine Arbeiten gesehen werden. Offenbar erlauben sie trotz der sehr konkreten Darstellungsweise einen großen Interpretationsspielraum.

Ani Kasten

(Anthony Merino)

Die in Maryland lebende Künstlerin Ani Kasten hat ihre Ausbildung an vielen Stätten dieser Welt bekommen. Ihre ersten Kontakt mit Ton bekam sie in einer Lehre bei Rupert Spira in Shropshire, England. Obwohl Kasten sehr eigenwillige Arbeiten schuf, hatten ihre und Spiras Arbeiten doch viel Gemeinsames. In den strengen Formen und der intensiven Texturierung spiegelten beide die klassischen Gefäßformen, orientiert an den Keramiken von Lucie Rie und Hans Coper.
Nach ihrer Lehre brach Ani Kasten nach Nepal auf. Dort begann sie ein vierjähriges Projekt mit dem nepalesischen Töpfer Santa Kumar Prajapati. Die Künstlerin hatte ein Stipendium vom Ramsay Merriam Fund bekommen mit der Aufgabe, die Steinzeugtechnologie in Thimi einzuführen. Thimi ist ein kleiner Ort, etwa11 Kilometer von Kathmandu entfernt.
In ihren Aufzeichnungen über diese Zeit beschreibt Ani diesen Ort als einen Platz, in dem die Zeit still stand. "Geht man durch die Straßen von Purano Thimi (Alt-Thimi), bekommt man den Eindruck, dass sich in diesem Töpferzentrum seit frühgeschichtlicher Zeit nichts verändert hat". Während ihres dortigen Aufenthaltes entwickelte Kasten eine Steinzeugmasse, entsprechende Glasuren, baute einen Ofen für Steinzeugtemperatur und entwarf eine Serie hochgebranntem Geschirrs für den Export. Zudem baute sie ein Trainingsprogram auf und half bei der Erstellung einer Website, um die einheimische Keramik Nepals bekannt zu machen.
2006 kehrte Ani Kasten in die USA zurück und nahm eine zweijährige Artist-in-Residence Position am Red Dirt Studio in Mount Rainier, Maryland, an.  

Simone Krug

(Gunter Springsguth)
Ein weisses Atelier - Patina an den Wänden - morbide Leichtigkeit. Hier haucht Simone Krug Porzellanmassen und Tonen einen neuen Zustand ein. Geschichten schweben durch den Raum und sind ihre ständigen Schaffensbegleiter - die Seele eines Tuns, das kein Zeitmaß, keinen Anfang und kein Ende zu haben scheint. Schatten an der Wand von vorbeifahrenden Autos und Dingen, die fast zufällig dem Licht entgegenstehen, sind voller Inspiration und oft der Anlass ins Geschichtenträumen zu kommen.
Eine Antwort auf die Frage, was wohl zuerst da ist, eine Produktidee, eine Form, ein Gedanke, ein Wort, eine Illustration einfach so dahin gezeichnet, scheint man nicht zu bekommen. Alles hat seine Zeit, seinen Anfang und sein Werden. Niemals entstehen so Arbeiten von Außen. Sie entstehen von Innen - wachsen nach Außen, werden nach einer langen Weile sichtbar, werden fassbar und ewig. Dieses Werden ist wie das Leben einer Kirschblüte. Aus einer inneren Kraft heraus, entsteht in kühlen Frühlingstagen Einzigartiges, was in dem Moment nur für sich da zu sein scheint, um Aufmerksamkeit zu suchen.
Erst dann, wenn die Eitelkeit der kleinen Blüte gebührend gewürdigt ist, gibt sie ihren eigentlichen Sinn frei. Es findet eine sinnspendende Metamorphose statt.

David Wright

Man sagt, es braucht 10 Jahre, um ein guter Töpfer zu werden. Das soll der Zeitraum sein, den man braucht, um den Arbeitsprozess kennen zu lernen, sich Wissen und Kenntnisse anzueignen und um Arbeiten herzustellen, die eine persönliche Handschrift haben. Meine Lehrzeit hat etwas länger gedauert und die Art und Weise, in der ich meine Gefäße herstelle und brenne, ist auch ein langsamer, zeitaufwändiger Prozess und bis zu meiner Meisterschaft scheint es noch etwas zu dauern.
Verschiedene Umstände, der Mangel an Platz und Umwege im Leben haben aus den 10 Jahren 30 Jahre gemacht. Gefäße aus Tonwürsten aufzubauen war da eine passende Technik, die wenig Platz und fast keiner technischen Ausrüstung bedurfte. Das Abdecken der angefangenen Arbeiten mit alten Einkaufstüten aus Plastik wurde zum Lebensstil. Ich war nie in Versuchung, meine Gefäße auf der Töpferscheibe herzustellen und bin eigentlich glücklich, in diesem traditionellen Weg des Aufbauens zu arbeiten, in einer Technik, die 15.000 Jahre zurück in die prähistorische Zeit der Jomon-Kultur Japans reicht. Seit damals benutzen Töpfer diese Technik, um die verschiedensten funktionalen Gefäße und auch künstlerische Plastiken herzustellen.
Ich liebe diese rhythmische Art des Arbeitens, das Rollen des Tons mit meinen Fingern, das Pressen und Verstreichen der Tonwürste, das Wachsen der Wandung und das vorsichtige Verengen oder Erweitern des Gefäßes.

Firing Up

Ein Projekt mit Vergangenheit und Zukunft
(Antje Soléau)
In wie vielen Schulen im Lande dämmern funktionsfähige Brennöfen in dunklen Ecken vor sich hin, die einst in den bewegten siebziger Jahren angeschafft wurden, um den Nachwuchs mit dem Material Erde vertraut zu machen? Gleichzeitig sollten den Schülerinnen und Schülern die unendlichen Möglichkeiten der freien Gestaltung nahe gebracht werden. Heute gibt es keine Lehrer mehr, die mit diesen Öfen etwas anzufangen wissen oder sie gar in ihren Unterricht integrieren könnten. Die modernen Lehrpläne lassen dafür auch gar keinen Raum mehr. Das ist nicht nur hierzulande so sondern auch auf der anderen Seite des Kanals. Es waren praktizierende KeramikerInnen in Großbritannien, die auf diese Öfen aufmerksam wurden und ihre verpassten Möglichkeiten erkannten, in einer durch und durch technisierten Welt das haptische Erleben und damit die Kreativität, die in jedem Menschen steckt, wiederzubeleben.
Zwischen 2010 und 2013 wurde in Großbritannien unter der Ägide des Crafts Council ein Programm entwickelt, das 63 Sekundarschulen mit insgesamt 3700 Schülern und 161 Lehrern zusammenführte, um das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Ton in unserem Alltag zu wecken, Schulen darin zu unterstützen, dieses Medium schöpferisch einzusetzen und seinen Erziehungswert zu optimieren sowie die enge Verbindung zwischen dem Arbeiten mit Ton und dem weiten Feld der Kreativwirtschaft aufzuzeigen.

Salon - Heute internationale Keramik

"Stop the revolving door - enjoying international ceramic"
(Heide Kuhn)

Das Teefestival im südkoreanischen Mungyeong hat Türen geöffnet und die, die sich dort trafen, wollten einander wiedersehen. Keramiker stehen voreinander mit Begeisterung und Offenheit, ohne die Sprache des anderen zu verstehen. Davon träumt die Welt heute, von der verzaubernden Begegnung mit dem Fremden.
Am Rande der Kleinstadt Gießen nahe Frankfurt trafen 4 Keramikkünstler erneut zusammen. Berthold Zavaczki als Gastgeber hatte Anfang des Jahres eine Mail von Robert Lawarre III erhalten, der mitteilte, dass er sich Mitte des Jahres in Deutschland aufhalte. Robert versprach im Anschluss an seinen Aufenthalt in Höhr-Grenzhausen nach Giessen zu kommen. In Höhr Grenzhausen waren außer Robert Lawarre III und Rebecca Maeder die koreanischen Keramikkünstler Jeon Changhyun, Sangwoo Kim, Professor Yoo Tae-Keun im Juni 2015 zu Gast. Sie gestalteten im Keramikmuseum Westerwald gemeinsam eine Ausstellung unter dem Motto: Stille Kraft und Powerdrink, Keramik und Tee - die klassische Teeschale und deren kreative Variationen.

Das 20. Zlakusa Ceramic Art Symposium 2015

(Marc Leuthold)
Seit 1996 organisieren Künstler und Lehrer der Kunstakademie in Uzice, in Serbien, das jährlich stattfindende Symposiun in Zlakusa. Im letzten Jahr nahmen 12 Künstler aus vier Nationen teil:
Velimir Vukicevic, Professor an der Fakultät für Angewandte Kunst, Kunst-Universität Belgrad, Serbien; Aleksandar Pedovic, Künstler, Designer und Kurator, Serbien; Jasmina Diklic, Künstlerin, Serbien; Dr. Perihan San Aslan, Assistenz-Professor an der Abant Izzet Baysal Universität, Türkei; Dr. Yesim Karaman Zumrut, Assistenz-Professor an der Canakkale Onsekiz Mart Universität, Türkei; Kadir Erturk, Dozent an der Adnan Menderes Universität, Türkei; Canan Gunes, Künstlerischer-Assistent an der Anadolu University, Türkei; Mohamed Abd Elhady, Künstler/Designer/Kurator, Ägypten; Caroline Douglas, Künstlerin, USA; Jenny Mendes, Künstlerin, USA, und Marc Leuthold, Professor an der State University of New York, USA.
Die Teilnehmer wurden von Sofia Bunardzic auf der Basis von Vorschlägen anderer Künstler zur Teilnahme aufgefordert. Gearbeitet wurde mit Zlakusa-Ton und gezeigt wurden traditionelle, regionale Aufbautechniken auf handbetriebenen Töpferscheiben, wie sie auch von den Töpfern im Ort benutzt werden. Getrocknete und unglasierte Stücke wurden in einem 60 Minuten dauernden offenem Feuer bei etwa 600-700°C gebrannt. Ohne Engobe brennt der lokale Ton schwarz, rot oder braun.

Tineke van Gils

(Mels Boom)
Tineke van Gils benötigt eigentlich überhaupt keine Einführung.
Sie dreht meisterhaft und weiß immer wieder neue Inspirationen zu finden bei der Suche nach den Grenzen der Technik und durch Veränderung der Umgebung oder des Materials. Wer kann das Suchen und Finden der Inspiration besser erläutern als Tineke selbst?

"Ich entschied mich für die Drehscheibe als das Gerät, auf dem alle meine Arbeiten entstehen. Das heißt, ich bin immer auf der Suche nach den Grenzen der Scheibe. In China, bei der Herstellung der 100 Blanc de Chine Teekannen, ging das wirklich weit. Das Porzellan forderte mich auf, Neues zu entdecken und alle Register zu ziehen. Aber auch der Fokus auf nur ein Thema - die Teekanne - war eine Beschränkung, die mir Flügel gab. Ich hielt einmal einen Vortrag auf einem Seminar der "Tao des
Tons" an der Akademie in Utrecht. Ich begann den Vortrag mit
einem Teil eines Gedichtes des niederländischen Dichters
Kouwenaar:

Schöpfer sein ist schwierig -
Etwas machen zu müssen,
das schon 1000 Mal gemacht wurde
zum ersten Mal zu machen ...