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Neue Keramik - Heft 3/10
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Frances Lambe
Inazaki Eriko
Christa Steinmetz
Milivoj ?egan
Petr Huza
Luise Hindsgavl
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Können aus Wissen und Kunst aus Können ist passé -
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Frances Lambe

- Frances Lambe
(Eleanor Flegg)
Wenn künstlerische Objekte und insbesondere handgemachte Objekte, nicht die Anerkennung erfahren, die ihnen gebührt, so liegt das nicht daran, dass sie irrelevant oder bedeutungslos in unserer Welt geworden sind, sondern daran, dass sie neben all den kulturellen Phänomenen eine Komplexität in sich tragen, die jenseits von Worten und Theorien liegt und damit auch jenseits des Verständnisses derer, die von Worten und Theorie begrenzt werden. Bilder sind komplizierter, sie müssen erklärt, als Fiktion dargestellt werden; daher sind sie eine Domäne der theoretischen Betrachtung. Objekte sind unkomplizierter, dafür aber viel komplexer. Diese Komplexität widersteht Sprache und Theorie. Die theoretische Betrachtung von künstlerischen Objekten bleibt essentiell, wenn wir die wichtige Rolle, die sie in unserer Kultur spielen, nachprüfen, neu auswerten, überdenken und neu positionieren wollen.
Eriko Inazaki

- Eriko Inazaki
(Shao Ting Ju)
Vor sechs Jahren sagte mir Miyamoto Ruriko, eine Lehrerin vom Shigaraki Ceramic Cultural Park, dass eine junge Frau in ihr Studio gekommen sei, deren Arbeiten aus tausenden kleiner nadelartiger Tonstäben aufgebaut seien. Diese Frau, sagte man mir, fertigt nur zwei Arbeiten in 6 Monaten an. Anfang diesen Jahres sah ich dann zum ersten Mal die Arbeiten von Inazaki Eriko im Paramita Museum, Mie Präfektur - ich war überwältigt.
Inazaki schickte mir eine sehr stabile Papierbox, die mit Schich-ten an Klebeband umwickelt war. Für dieses Interview packte sie ihre Arbeiten in einen riesigen Plastiksack und faltete diesen, entsprechend den Arbeiten im Inneren, mit größter Sorgfalt. Sie hatte die Papiere in verschiedenen Plastikmappen sortiert und diese wiederum sorgfältig verklebt und geordnet. Aufgrund dieser Sorgfalt behandelte ich die Dokumente sehr vorsichtig und langsam, aus Angst, ich könnte alles durcheinander bringen.
Christa Steinmetz

- Christa Steinmetz
(Antje Soléau)
Seit einigen Jahren beherrschen die Themen Haus und Boot die Arbeiten der Keramikkünstlerin Christa Steinmetz aus Kelkheim. ?Haus, so sagt sie, steht für Bodenständigkeit, Sicherheit, Rückzug, das Immobile, Beständige, das Bewahren und das Behüten; Boot ist das Symbol für Aufbruch, Abenteuer und Entdeckung, Neugierde und Gefahr, ständige Veränderung, Abschied, aber auch Ankunft in einem sicheren Hafen.? Beiden gemeinsam ist, dass sie dem Menschen und seinen Haustieren ebenso wie seinem materiellen Besitz Schutz gewähren vor den Unbilden des Wetters und des Lebens. Sie sind nur scheinbar ein Gegensatzpaar.
Christa Steinmetz ist, was die Keramik anbetrifft, eine Seiteneinsteigerin. Erst relativ spät mit etwa 40 Jahren hat sie die Erde, den Ton für sich als künstlerisches Medium endgültig erkannt und akzeptiert. Seither verfolgt sie zielbewusst und ständig darauf bedacht, Neues zu entdecken und zu lernen, ihren Weg.
Milivoj Segan

- Milivoj Segan
(Blazenka Soic Stebih)
Milivoj ?egan erhielt die KERAMEIKON SILBER MEDAILLE beim Wettbewerb CERAMICA MULTIPLEX 2009. Die Ausstellung der zum Wettbewerb zugelassenen Arbeiten war die Hauptveranstaltung des III. Internationalen Festivals der Postmodernen Keramik, das vom 18. April bis 24. Mai 2009 in Vara?din, Kroatien, stattfand.
Der akademisch ausgebildete Bildhauer und Konservator kennt sich mit allen bildhauerischen Materialien aus, fühlt sich aber besonders vom Ton angezogen. Wie bei vielen Künstlern ist auch sein Verhältnis zum Leben und zur Kunst durch die Erlebnisse in seiner Kindheit stark geprägt. Diese Jugendjahre verbrachte er im waldreichen Gebiet der Bilogora in nordöstlichen Teil von Kroatien, im einfachen und unmittelbaren Kontakt mit der Natur und der Erde. Hier wurde er ganz in der Nähe des Flusses mit dem bedeutungsvollem Namen Ilova (Lehm-Fluss) geboren.
In diesem zauberhaftem Bereich des Landes brennt man den Ton noch heute auf eine einfache Weise im Freifeuerofen, beheizt mit dem Holz der umgebenden Laubwälder. Die traditionellen Töpfer mit ihren einfachen Brennverfahren und dem direkten Umgang mit dem Feuer haben Milivoj ?egan schon früh zum Nachdenken über den Uranfang, den Ursprung von Allem und über die Entstehung der Welt angeregt. In der Gegend, in der er seine Kinderjahre verbrachte, leben noch heute Menschen verschiedener ethnischen Herkunft, die zu unterschiedlichen Zeiten vor Bedrohungen, vor Unheil und Gewalt flüchteten mußten und hier in diesem Bergebiet eine Zuflucht gefunden hatten.
Petr Huza

- Petr Huza
(Monika Grajda)
Tschechien ist ein Land, das ich immer wieder mit großem Enthusiasmus besuche. Auf der einen Seite kenne ich das Land, doch auf der anderen Seite entdecke ich dort mehr und mehr neue faszinierende und interessante Dinge.
Petr Huza ist ein Künstler, der solche interessanten Arbeiten herstellt. Sein Werdegang begann beim Stein und ging über Ton zum Porzellandesign. Er machte seinen Abschluss an der Kunsthochschule in Horicich, die auf "Kunst am Bau" spezialisiert und eine der führenden Schulen im Bereich des künstlerischen Designs ist. Seinen BA und MA erhielt er an der J.E. Purkyne Universität in Usti. Im Moment arbeitet er als Assistent in einem Grafikatelier an der Universität in Hradec Kralove. Seine Arbeiten zeichnen sich durch einfache Formen, versteckten Humor, oder minimalistische Zeichen aus, über die er mit dem Betrachter kommuniziert.
Louise Hindsgavl

- Louise Hindsgavl
(Schnuppe von Gwinner)
Mir gegenüber sitzt eine strahlende junge Frau, lange goldblonde Haare mit einem lustigen Kleinkind auf dem Schoß. Louise Hindsgavl entspricht rein äußerlich völlig dem Klischee einer Skandinavierin. Sie gewinnt durch ihr einnehmendes Wesen sofort alle Sympathien. Sie ist auf eine besondere Art höflich und konzentriert. Hinzu kommt der Mutterbonus, diese entzückend ?heile Welt? erfüllter Mutterschaft. Optimismus und Tatendrang strahlen die beiden aus.
Eine dynamisch agierende Gruppe von Figuren, die sich auf einem lang gezogenen Sockel austobt. Ein Känguruh-köpfiges Mannsbild, dessen durchtrainierter Torso von verhältnismäßig zu dicken Babypuppen-Armen und Beinen flankiert wird. Er kickt, weit ausholend, geräderte kleine Gürteltiere von sich, die nach Halt suchend ihre Barbie-Arme recken. Seine Rechte stützt sich auf dem Hintern eines weiblichen Wesens ab. Dieses hält in seiner katzenhaften Vorwärtsbewegung inne und wendet die erschrockene Teufelsfratze zur Seite.
Johanna Rytkölä

- Johanna Rytkölä
(Marjatta Montonen)
Obgleich von Natur und Lebenserfah-rung inspiriert, bleiben Johanna Rytköläs keramische Plastiken kom-promisslose abstrakte Studien in Material, Form und Farbe. Kraft, Dynamik und die Andeutung von Bewegung sind charakteristische Züge dieser Arbeiten. In einigen ihrer letzten Ausstellungen, ?Paradises of everyday life? und "Gifts!? in Helsinki, Finnland, zwischen 2007 und 2008, wurde diese Kraft teilweise durch Leichtigkeit und Luftigkeit ersetzt, während die Fliessbewegungen neue, erstaunliche Ausdrücke erlangten.
Rytkölä arbeitet mit Steinzeugton und empfindet es als Herausforderung, dem schweren Material Bewegung zu verleihen. Einige ihrer neuesten Arbeiten, wie die Serie ?In the shower? (2006) und ?The murmur of water? (2008), sind aus sich kringelnden, leichten Streifen, die aus Seinzeugplatten geschnitten wurden, aufgebaut und zeigen die wahre Beherrschung der keramischen Techniken, wozu die Materialbeherrschung und die Brenntechniken gehören. Strahlende, wechselnde Farben, kombiniert mit einer lebhaften Oberflächenstruktur sind ein weiteres Markenzeichen von ihr.



